Artikel aus "iomanagement" Nr. 11 / 1998

 

Wachsende Akzeptanz der Telearbeit bei Arbeitnehmern

 

Die Idee der Telearbeitsplätze ist nicht neu. In Ländern wie den USA, in Skandinavien und England ist sie inzwischen weit verbreitete Realität. In der Schweiz sind nicht nur die technischen Voraussetzungen - der Heimarbeitsplatz muss neben dem Telefon über einen Computer, über Software und ein Modem verfügen - überdurchschnittlich gut, auch die Bereitschaft der Arbeitnehmer, Aufgaben zu Hause am Bildschirm zu erledigen, ist kontinuierlich gestiegen; das ergab eine Befragung des Wirtschafts- und Sozialforschungsinstituts Wiso Dr. Schoch + Partner, Zürich, unter 500 Männern und Frauen im Alter von 15 bis 50 Jahren in der Grossagglomeration Zürich. Etwas über die Hälfte der Befragten kann sich heute schon grundsätzlich vorstellen, Telearbeit in irgendeiner Form auszuführen, sei es allein zu Hause oder zusammen mit anderen in einem Telearbeitszentrum oder Satellitenbüro, sei es ausschliesslich oder teilzeitlich abwechselnd mit Arbeit im Geschäft.» Weitere 6% der Befragten nutzen heute schon eine dieser Varianten. Die Befragung zeigt damit eine deutlich positivere Einstellung zur Thematik als in drei früheren Umfragen, die im Rahmen desselben Projekts seit 1987 getätigt wurden. Die Zahl derjenigen, die aufgrund ihrer aktuellen Stellung oder Aufgabe einen Telearbeitsplatz für sich selbst als realisierbar erachten, ist in dieser Periode von 23 auf 43% gestiegen.

Steht die Telearbeit in der Schweiz damit vor dem Durchbruch? Keinesfalls. Denn trotz steigender Akzeptanz und zahlreichen Vorteilen auf Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite (Kosten, Verkehrs- und Staureduktion, Flexibilisierung der Arbeitszeiten, Steigerung der individuellen Motivation und Leistungsbereitschaft usw.) stehen die Schweizer Arbeitgeber der Idee nach wie vor kritisch, indifferent bis ablehnend gegenüber. Der Grund dafür dürfte in einer neuen Unternehmenskultur und Unternehmensorganisation zu suchen sein, welche für die Realisierung von Telearbeitsplätzen vorausgesetzt werden. Die Arbeitgeber schätzen die Möglichkeit zur Kontrolle über die physische Präsenz der Mitarbeiter immer noch höher ein als Kontrollmechanismen in Form messbarer Leistungen aufgrund zuvor klar definierter Ziele.