Erste Bilanz über das Verhalten der Schweizer
Konsumenten und Konsumentinnen
im E-Commerce

März 2001
(Informationsstand vom Februar 2001)

Eidgenössisches Büro für Konsumentenfragen
Effingerstrasse 27
3003 Bern
www.konsum.admin.ch

Erste Bilanz über das Verhalten der Schweizer Konsumenten und Konsumentinnen im E-Commerce

Im Rahmen des Aktionsplans E-commerce der �Koordinationsgruppe Informations-gesellschaft�1 hat das Eidgenössische Büro für Konsumentenfragen einen Überblick über das sich laufend verändernde Gebiet des elektronischen Handels erarbeitet. Im Mittelpunkt des Berichts stehen die Marktteilnehmer und ihr Umgang mit dem neuen Geschäftsverkehr.

Dieses Dokument basiert nicht auf einer speziell durchgeführten empirischen Studie, sondern stützt sich auf diverse Arbeiten und Publikationen, die sich mit dem Thema E-Commerce auseinander gesetzt haben. Die zum Teil divergierenden Resultate, vor allem im Bereich der quantitativen Erfassung des E-Commerce, sind hauptsächlich auf dessen Neuheit und damit auf den fehlenden Usus in der Forschung und die grosse Bandbreite der Untersuchungsdesigns zurück zu führen; daneben hat auch der von den Verfassern einer Studie gewählte Blickwinkel unbestreitbar einen Einfluss auf die Ergebnisse.

Der Fokus dieses Berichtes liegt auf dem Konsument, der sich mit einer neuen Art des Geschäftsverkehrs auseinandersetzt. Es geht also zu einem grossen Teil um den Business-to-Consumer (B2C) Bereich. Auch werden vor allem die Punkte diskutiert, die den Konsumenten direkt betreffen, es wurde bewusst in diesem Sinne eine Auswahl
getroffen.

Die inhaltlichen Arbeiten wurden Anfang Februar 2001 abgeschlossen. Spätere Entwicklungen werden nicht mehr berücksichtigt.

Der Bericht wurde ohne Hilfe eines Meinungsforschungsinstituts im Rahmen der internen Kapazitäten des Eidgenössischen Büros für Konsumentenfragen erstellt und erhebt nicht den Anspruch allen Aspekten des Themas gerecht zu werden.

Bericht des Eidgenössischen Büros für Konsumentenfragen
(Untersuchung: Nadja Baraniak)
1 Supportstelle KIG: 2. Bericht der Koordinationsgruppe Informationsgesellschaft (KIG) an den Bundesrat. 16. Mai 2000. http://www.isps.ch/ger/stored_documents/PDF/310.pdf

1. Empirische Studien

Im Jahr 2000 wurden in der Schweiz zahlreiche empirische Untersuchungen veröffentlicht, welche die Internetnutzung zum Thema hatten. Leider existieren – bedingt durch die Neuheit des E-Commerce – keine Vergleichsdaten aus der Vergangenheit, die weiter als 1-2 Jahre zurück reichen, was Aussagen über die Entwicklungstendenzen erschwert und das Feld für persönliche Prognosen offen lässt. Die vorgestellten Studien sind sehr unterschiedlich betreffend Stichprobe sowie Art und Inhalt der Befragung. Sie sind deshalb nur bedingt miteinander vergleichbar, wenigstens was die Zahlen anbelangt, es können aber gemeinsame Trends heraus gelesen werden.

1.1. ECATT-Studie

Im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes �Electronic Commerce and Telework Trends� (ECATT) 2 wurde, neben anderen Länderstudien, Ende 1999 eine empirische Untersuchung in der Schweiz durchgeführt, die zum Ziel hatte, aufzuzeigen, wo die Schweiz bezüglich Akzeptanz, Verbreitung und Nutzung von neuen Geschäftsformen
steht. 3 Die Ergebnisse basieren auf einer Stichprobe von 400 Interviews mit der Schweizerischen Wohnbevölkerung und 200 Interviews mit Unternehmen aller Branchen. Es wurden keine Daten für die Italienische Schweiz erhoben. Ganz allgemein liegt die Schweiz bezüglich der Verbreitung und Nutzung von E-Commerce im oberen europäischen Mittelfeld, Spitzenpositionen belegen die nordischen Länder.

Auf der Konsumentenseite zeichnete sich folgendes Bild ab. Ende 1999 steht 66% aller Befragten ein PC oder Computer zur Verfügung. 46% der Schweizer Bevölkerung benutzte das Internet regelmässig. Der klassische Internetbenutzer ist männlich, jünger, Angehöriger der oberen Bildungs- und Berufspositionen und lebt in urbanen Verhältnissen.

Der elektronische Einkauf ist, trotz seines hohen Bekanntheitsgrades, in der Schweiz noch nicht sehr weit verbreitet. Meistens wir das Internet zur (kostenlosen) Informationsbeschaffung und –auswertung benutzt. Insgesamt 19% shoppen regelmässig online, am beliebtesten sind Bücher/Broschüren/Zeitschriften (16%), Computer-Software/CD-Rom/Anderes Computerzubehör (12%) und Reisen/Hotelunterkunft (12%).

In der Zukunft wird dem E-Commerce ein erhebliches Wachstumspotenzial vorausgesagt, die Online-Einkäufe werden aber weiterhin nicht im Vordergrund stehen, sondern, gleichbleibend wie heute, die Informationsbeschaffung.

Die Vorteile des elektronischen Shoppings liegen aus Konsumentensicht im grösseren und vielfältigeren Angebot, im leichteren und schnelleren Einkauf, also im geringeren Zeitaufwand und in der kleineren Anstrengung. Erstaunlicherweise werden vom Online-Einkauf kaum finanzielle Einsparungen erwartet.

Gründe aus der Konsumentensicht, warum die Möglichkeit des neuen Geschäftsverkehr nicht oder nur unter Vorbehalt benutzt wird, sind: Mangelnde Sicherheit bzw. erhöhtes Risiko, fehlender physischer Kontakt und mangelnder Nutzen gegenüber dem�Erste Bilanz über das Verhalten der Konsumenten und Konsumentinnen im E-Commerce 4
konventionellen Einkauf. Fast drei Fünftel der Befragten sahen ganz grundsätzlich den Nutzen und die Notwendigkeit des E-Commerce nicht und damit keinen Grund zur Änderung ihres Einkaufsverhaltens.

Die Zahlung des Online-Einkaufs durch Übermittlung der Kredit- oder Kontonummer bzw. über �Cybercash� ist in der Schweiz noch kaum akzeptiert. Nur etwa je ein Viertel der Befragten würden diese neuen Zahlungsmethoden nutzen, der Rest begegnet ihnen mit Skepsis. Da die meisten E-Commerce Anbieter nur die neuen Zahlungsmethoden offerieren, stellt dieses Misstrauen in die Sicherheit des Zahlungssystems ein bedeutendes Hemmnis dar.

Von den technischen Voraussetzungen her befindet sich die Schweiz in einer guten Ausgangslage. Die für den E-Commerce nötige Infrastruktur ist für einen grossen Teil der Bevölkerung leicht erreichbar. Nach den Resultaten dieser Studie stehen aber der raschen Verbreitung des E-Commerce vor allem zwei Hemmnisse im Wege. Das erste ist die Sicherheitsproblematik. Auf diesem Gebiet muss die Unsicherheit des Konsumenten reduziert werden, indem über den aktuellen Rechts- und Datenschutz informiert wird, sowie noch bestehende Risiken international abgebaut werden. Nur wenn das Internet als sichere Einkaufsquelle betrachtet wird, wird es auch benutzt. Zweites Hemmnis stellt die Tatsache dar, dass viele Konsumenten im Online-Shopping keine Nutzenverbesserung zum konventionellen Einkauf sehen. Die ökonomischen, gesellschaftlichen und persönlichen Vorteile der neuen Geschäftsform sind für viele Schweizer Konsumenten nicht unmittelbar einsichtig. Der Konsument nimmt E-Commerce noch nicht als selbstverständlich hin und verlangt deshalb nach stichhaltigen Argumenten, die ihm einen effektiven Nutzen klar aufzeigen.

Auf der Seite der Unternehmen widerspiegeln sich in gewisser Weise die vorher aufgeführten Erkenntnisse. Zwar sind fast zwei Drittel der befragten Unternehmen im Internet oder in anderen Online-Diensten präsent, und ein Fünftel plant den Internetauftritt, jedoch ist der Hauptzweck dieser Auftritte vor allem im Bereich Marketing und Customer Relations zu verorten. Das Hauptgewicht liegt demzufolge auf der Bereitstellung von Information über die Unternehmung. Nur ein geringer Prozentsatz der Befragten sieht den Hauptzweck des Online-Auftritts im direkten Verkauf von Produkten übers Netz.

E-Commerce betreiben 32.5% der befragten Betriebe. Hindernisse, die der raschen Verbreitung des E-Commerce im Wege stehen, sind aus der Sicht der Unternehmen folgende Punkte: Fehlende Nachfrage und hohe Kosten, daneben, mit zunehmender Erfahrung im E-Commerce immer dominierender, die Hemmnisse �Sicherheitsbedenken� und �mangelndes Know-how�. Ein weiteres Hindernis ist die virtuell schwierig vermittelbare Produktcharakteristika, wobei dies nach ersten Anfangsschwierigkeiten oft nicht mehr behindernd wirkt.

2 http://www.ecatt.com
3 Harabi Najib, Schoch Rolf, Hespeler Frank: Einführung und Verbreitung von Electronic Commerce. Wo steht
die Schweiz heute im internationalen Vergleich? Ergebnisse einer empirischen Untersuchung. Zwischenbericht
August 2000.

Gesamtes Dokument als PDF.

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