Der Bund 25.01.2002, Ausgabe-Nr. 20, Ressort Management

Das Büro ist überall

TELEARBEIT / Jeder zehnte Schweizer Arbeitnehmer verfügte Ende 1999 über ein mobiles Büro. Damit gehört die Schweiz zu den Spitzenreitern in Sachen Telearbeit.

mmw. Die Kommunikationstechnologie machts möglich:Wer mit dem Auto zu einem Lieferanten unterwegs ist, kann sich jederzeit auf der Firmen-Datenbank die paar Unterlagen beschaffen, die er einzupacken vergessen hat. Meetings können auch dann ein Erfolg werden, wenn die Teilnehmer in der halben Welt verstreut sind, und der Aussendienstler der Versicherungsgesellschaft kann nach dem Kundengespräch gleich den individuell zugeschnittenen Vertrag zur Unterschrift vorlegen. All jene, die mit Hilfe moderner Informatiklösungen regelmässig zuhause, unterwegs oder beim Kunden arbeiten, gelten als Telearbeiter - und helfen ihrem Arbeitgeber, Bürokosten zu sparen.

In der Schweiz gehörten Ende 1999 zehn Prozent der befragten Erwerbstätigen in diese Kategorie. Dies ergab eine kürzlich präsentierte Studie der Dr. Schoch + Partner Wirtschafts- und Sozialforschung und der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz. Im gleichen Zeitraum wie in der Schweiz wurden auch in zehn Ländern der Europäischen Union die verschiedenen Arbeitsformen unter die Lupe genommen. In Sachen Telearbeit belegt die Schweiz hinter den skandinavischen Ländern und den Niederlanden Rang 5. Gut die Hälfte der befragten Entscheidungsträger gab hierzulande an, in ihrem Betrieb werde Telearbeit praktiziert - vornehmlich von überdurchschnittlich gut qualifizierten Arbeitnehmern, die in einem grossen Unternehmen Führungsverantwortung innehaben.

Potenzial nicht ausgeschöpft

Da die Schweizer Unternehmen über eine überdurchschnittlich gute technische Infrastruktur verfügen, scheint das Potenzial von Telearbeit bei weitem nicht ausgeschöpft. Rund die Hälfte der Erwerbstätigen könnte sich vorstellen, zukünftig vermehrt dezentral zu arbeiten. Die Mehrheit der Betriebe mit Telearbeit ziehen eine positive Zwischenbilanz und sind an einer Ausdehnung der bestehenden Varianten interessiert. Allerdings bringen die neuen Arbeitsformen auch Gefahren mit sich. So fürchten sich viele Arbeitgeber vor Sicherheitsproblemen beim Datenaustausch und vor Schwierigkeiten bei der Führung und Beaufsichtigung von Telearbeitenden; zudem hat sich in einigen Unternehmen gezeigt, dass die wichtigen Bereiche Wissensmanagement und Innovation noch immer vom persönlichen Kontakt abhängen:Manches, was beim informellen Gespräch im Grossraumbüro oder in der Cafeteria ausgetauscht wurde, geht verloren, wenn man erst technische Hilfsmittel bemühen muss.

Gefahr der Isolation

Auch aus Mitarbeitersicht hat Telearbeit nicht nur Vorteile. Die Studie weist darauf hin, dass die modernen Arbeitsformen an den Einzelnen hohe Anforderungen bezüglich Eigenverantwortung und Selbststeuerung stellen. Zudem steigen in der Regel der Koordinationsaufwand, die Gefahr der sozialen Isolation und der Leistungsdruck. Aufstiegschancen, heisst es weiter, können durch Telearbeit geschmälert werden.

Der Forschungsbericht über Telearbeit
enthält 256 Seiten und kann für 700 Franken bezogen werden. Telefon 01 725 07 77 oder http://www.wiso-schoch.ch.